koppdaniel.wordpress.com

In den Fußstapfen des Bayerischen Hiasl

Posted in # Wellenland [Laufen] by koppdaniel on 22. Januar 2010

Wilderer – Räuber – Sozialrebell. Deutscher Robin Hood. Unterwegs in den Fußstapfen Matthäus Klostermayrs, dem „Bayerischen Hiasl“Dies ist die tragische Geschichte des Matthäus Klostermayr, genannt der „Bayerische Hiasl

1736 in Kissing geboren und ärmlich in einer Hirtenfamilie aufgewachsen, tritt der junge Mätthäus Klostermayr 1753 eine Anstellung als Jagdhelfer im Jesuitenkloster Gut Mergenthau an. Der Wilderei bezichtigt und einen eine Katze erlegenden Pater verhöhnend wurde er alsbald wieder entlassen.

Von den Großkopferten enttäuscht, widmet sich unser jagdgewandter Hiasl von nun an ganz der Wilderei. Schnell wird er als treffsicherer Meisterschütze verehrt, schütz er doch das Ackerland vor gefräsigem Wild. Unser Hiasl gelangt zu regionalem Ruhme bei Bauernvolk und Landpfarreien.

Doch dem Klostermayr reicht das nicht. Raubüberfälle von Altbaiern, Augsburg bis ins Allgäu stehen auf seinem Kerbholz. Seine Straftatenliste wächst und sogar ein Mord ist darunter. Klostermayr schließt sich Räubergruppen an und gründet eine eigene. Mit seinen Kumpanen sucht er Raufereien und Ärger mit Militär, Staatsmacht und Jägern. Immer an seiner Seite sein „Bub“, Andreas Klostermayr und furchteregender Hund „Tyras“, den er einem Müller abnahm.

Von einem ehemaligen Bandenmitglied verraten wird er 1765 zu 9 Monaten Zuchthaus verurteilt. 1767 schlägt er die letzte  Möglichkeit zu einer Lebenswendung ins rechtschaffende Bürgerleben aus. Ein Posten als kurfürstlicher Jäger, eingefädelt von seinem Vetter, dem kurfürstlichen Leibarzt stand ihm frei. Doch seine Kumpane packten ihn an Ehre und Eitelkeit. Also schlug er seine letzte Chance aus.

Nach der Festnahme seines Buben eskalierten die Eskapaden, ehe 1770 das Maß voll war. Der Schwäbische Reichskreis beschloss die Festnahme des Aufsässigen.

1771 schließlich stellt ihm das Millitär eine Falle. Nach einer 4-stündigen Schießerei wurde er in einem Osterzeller Wirtshaus festgenommen. Der Hiasl -wir kennen ihn – mit all seinem Ablehnung gegen die Obrigkit wird in Dillingen zum Tode verurteilt.

Verbrecher oder durch seinen Einsatz für die Landbevölkerung verdienter Ehrenmann. Der Hiasl wird am 6. September 1771 erdrosselt und gerädert.

Vom Jagdgehilfen zum Wilderer zum Räuberhauptmann. Der Volksglaube stiliert den Sozialrebellen im Laufe der Zeit zum Volkshelden. Zu einer Art „Deutschen Robin Hood“.

Und genau dort wo unser wilder Volksheld sein Unwesen trieb, in den lichten Waldungen des Wittelbacher Landes um Schloss Gut Mergenthau führte mich die heutige Lauftour: Das schmucke Schloss wird noch heute von einer alten Patrizierfamilie bewohnt und durch zahlreiche Kulturveranstaltungen am Leben gehalten. Es trohnt auf der Abruckkante des östlichen altbaierischen tertiär geprägten Hügellandes rund 12Kilometer von Augsburg entfernt. Die Landschaft ist hier weitaus weniger stark geprägt als die im westlichen Hügelland  auf Flussschotter basierenden und zerschliffenen Naturpark Augburg.  Bei den östlichen Höhen sprechen wir von einer schotterfreien Landschaft. Kleinere Gewässer, Errosion und Winde haben deutlich weichere Geländeformen geschaffen.

In den profiliertesten Bereichen besteht bis heute Wald, dies aus dem schlichten Grund daß sich die stark gewölbten Landschaftsformen für agrarintensive Ausbeutung kaum eignen. Ausgehend von der Paar, die dem Gut im Lechfeld zu Fuße liegt startete ich heute durch diese Landschaften.

Das einzige was heute knallt ist die Autotüre. Ich habe den Wagen an diesem den heutigen trüb-grauen Januartag auf einem schmutzigen Feldweg unterhalb des Gut Mergenthaus geparkt. Es ist einer dieser unfreundlichen Wintertage um 0°C, bei dem sich das Wetter nicht entscheiden kann ob es tauen oder gefrieren soll. Ich streiche mir noch einmal durchs Haar und betrachte mein Spiegelbild in der Seitenscheibe des schmutzigen Minivans. Diese Geste muss aus der Entfernung arrogant aussehen, doch dabei wird mir klar meine Mütze zuhause vergessen zu haben.

Als Einlaufkomponente liegt erstmal ein gerades Stück Allee vor mir. Knorrige Baumriesen scheinen mit ihren dunklen bedrohenden Asthänden nach allem zu greifen wollen das diese Baumhöhle versucht zu passieren. Die erste Steigung steht an. Nichts ernsthaftes, eher zum Warmwerden. Es geht den Hangabbruch hinauf zu dem gepflegten Gutshof. Die gelb-weiße Fassade schimmert immer wieder hell durch dunkle Baumlücken. Hier ist auch die Hiasl-Erlebniswelt zuhause, ein kleiner Teil des Angebotes der Instandhaltung der Anlagen finanziell dienen muss.

Auch tritt der größte Nachteil dieser Jahreszeit zutage. In den schattigen Waldbereichen hat sich die Oberfläche der Fahrwege in spiegelglatte Eisflächen verwandelt. Nur der Rand bietet Halt, die Mitte ist zu stark zertreten. Ich passiere den Gutshof mit seinen Stallungen und schlage den Weg Richtung Mergenthauer Wald ein. Ich lauf einfach drauf los. Nichts ist geplant und so lasse ich der Nasenpitze freien Lauf. Navigieren frei nach dem Motto „Ganz wonach dir die Nase steht.“

Es geht Auf und Ab. Der Wald ist doch recht wellig und auch der ein oder andere pulstreibende Anstieg ist dabei. Um mir Erholung von den vereisten Wegen zu gönnen schwenke ich auf den Waldrand zu und streiche ein wenig über unbebautes offenes Land. Hier hat das Tauwetter der vergangenen Woche ganze Arbeit geleistet. Die Wege sind frei. Und irgendwie kommt mir das Gefühl, die Heimat ist doch ganz schön. Diese sanften Wellen mit ihren Waldflecken und gepflegten Ortschaften – ja, daß hat schon was.

Wieder im Wald entfliehe ich dem Eis auf frischen Rückewegen der Harvester die Quer durch den Wald und wild über Hänge verlaufen. Geht in Richtung Trailrunning, fühlt sich ein bisschen wilder an und macht mehr Spass als auf den Waldautobahnen, ist vor allem aber eisfrei.

Nach einer Weile spuckt mich die torfschwarze Linie am Waldrand aus. Irgendwo. Wo bin ich? Null Orientierung. Keine Ortschaft als Fixpunkt. In einiger Entferung entdecke ich einen Gassigänger, er ist der einzige Fixpunkt. Von ihm lass ich mir unter strengem Protest der an beiden Armen zerrenden Schäferhundrüden die grobe Richtung geben. Diese Richtungspeilung reicht aus um mich wieder in Richtung Mergenthau zurückzuführen. Am Auto ist ein überraschend abwechslungsreicher Lauf beendet. Auch die nahe Umgebung hat also ihre Reize. Nur das mit dem Vor-der-Haustüre-loslaufen muss ich noch üben…

Videos zu Mergenthau und dem Bayerischen Hiasl

http://www.youtube.com/watch?v=pWgphu_dUVg

http://www.gut-mergenthau.de/de/willkommen/gut-mergenthau.html

9 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Giegi said, on 22. Januar 2010 at 17:59

    Ich bin wirklich froh, deine Seite gefunden zu haben – Deine Lauf-Berichte mit Geschichte(n)-Kontext und auch deine Fotos sind einfach wunderbar!

    Liebe Grüße und schönes Wochenende!
    Giegi

  2. Daniel Kopp said, on 22. Januar 2010 at 18:13

    danke, geht mir nicht anders, bei dir schau ich jeden tag rein 🙂

    am we wird das wetter gut! da kann man einiges machen 🙂

    lg
    daniel

  3. Kerstin said, on 22. Januar 2010 at 18:57

    Hui, da ist man mal ein paar Tage nicht da und alle sieht anders aus! Nicht schlecht! 🙂

  4. bbbaschtl said, on 22. Januar 2010 at 20:35

    Frisches Design und interessante Story. Top!

  5. matbs said, on 22. Januar 2010 at 22:37

    Boah, Supereintrag, dafür gibt´s alle Daumen hoch vom hessischen Hiasl. 😀

    Coole Story, schöne Tour, selbst mit vergessener Mütze (bei 0° geht das ja grad noch…).

    Diese Momente, wo man auf einmal irgendwo steht und keinen, aber auch wirklich gar keinen Plan mehr hat, wo man jetzt genau (oder auch nur ungenau) ist, die sind super, oder?
    Ich mag das total, nicht unbedingt immer, aber so hin und wieder ein bisschen verloren gehen, das ist vielleicht der größte Luxus, den man beim Laufen haben kann (auch wenn die Erkenntnis, dass es irgendwo in der Nähe von daheim, wo man´s jetzt gar nicht so sehr erwartet hat, auch ziemlich hübsch ist, nahe dran ist).

    Und wunderbar geschrieben ist es auch, genauso lebendig und interessant und nachvollziehbar mag ich Laufberichte, das macht einem glatt Appetit auf Bayern…

    Ich denke, damit hast du die Pflicht zum langen Eintrag mehr als erfüllt – dankeschön! 🙂

    • Daniel Kopp said, on 23. Januar 2010 at 13:11

      Da hessische Hiasl… Das ist ist gut 🙂
      Hast schon recht, die verplanten Läufe sind meiste die interessantesten.

      Mit diesem Eintrag wollte ich natürlich deine Buchstabngelüste mal wieder erfüllen 🙂

      LG
      Daniel

  6. ultraistgut said, on 23. Januar 2010 at 07:51

    Lieber Daniel,

    Schön, Daniel, deine Geschichten, deine Fotos, die Einsamkeit eines Läufers, die Stille, da geht mein Herz auf.

    Gut dass du den Gassigänger getroffen hast und nicht vom Schäferhund verspeist worden bist, wer weiß, wo du gelandet wärst ohne diese Begegnung, aber Läufer haben halt meist Glück.

    Danke für diesen erneuten schönen Ausflug.

    Deinen Kopf hast du auch geändert, das andere hat mir besser gefallen, zu viel schwarz, ich hoffe, ich darf das sagen ! 😉

    • Daniel Kopp said, on 23. Januar 2010 at 13:10

      klar darfst du das sagen, ich bin doch nicht gleich beleidigt.
      mir war schon klar das dieses design nicht jedem gefallen würde. schon alleine deshalb weil es weniger neutral ist.
      mir gefällt übrigens dein neuer header besser als der alte 🙂

      lg
      daniel

  7. […] führt uns in das Anschlussgebiet der Mergenthauer Wälder Sie knüpft eigentlich direkt an die Räuber-Hiasl-Tour die ich im eisigen Winter unternommen habe an. Kaltes Wetter ist heute passé, der Frühling hat […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: