Berglauf Wendelstein

Berglauf Wendelstein (1.838m, Mangfallgebirge) Er ist vielleicht der bayerischste aller Berge – Noch bayerischer sogar als die Zugspitze. Und wer schon einmal auf Autobahn Richtung Salzburg fuhr, dem dürfte die Felsgestalt des Wendelstein sicherlich schon aufgefallen sein, wie sie sich so auffällig in die Höhe türmt um in einer spitzen Felsform zu gipfeln. Aber wie so oft ist der Mensch der Natur auch hier mit roher Brutalität begegnet. Stahl und Beton haben aus der einst wilden Felspyramide ein sensationell verbautes Gipfelerlebnis gemacht, dass nichtsdestotrotz im Vergleich mit den modernen Skywalks und Alpenerlebnisparks schon fast wieder wie eine kultige und antiquierte Trutzburg vergangener Tage anmutet. Eine Gipfelkapelle, ein Berghaus mit Panoramarestaurant, eine Sternwarte, Treppenanlagen, gesicherte Gipfelsteige sowie eine Berg- und Gondelbahn locken täglich einen wahren Menschenansturm auf den Berg. Mit der Zahnrad- und Gondelbahn versteht sich, nicht zu Fuß, der Andrang ist an Schönwettertagen riesig.

Wer dem Berg hingegen wirklich begegnen will wählt erstens schlechtes Wetter oder zweitens die Zeit nach 18:00 Uhr, am besten unter der Woche. Dann ist die letzte Bergbahn im Tal verschwunden und der Gipfel mit etwas Glück sogar menschenleer. Dann erkennt der Begeher den wahren Wert des Berges. Und dann erkennt der Begeher sogar den Wert des Beton- und Stahlverbaues, der so atemberaubendes und gleichzeitig sicheres Laufen direkt am Abgrund ermöglicht. Über alpines Steilgelände, wäre es naturbelassen, dass niemals einen Lauf zuließe. Und letztlich kommt auf diesem, durch menschliche Einflüsse so geprägten Gipfel, jeder zu seinem persönlichen Bergerlebnis: der einsame Wanderer am Abend, die Seil- und Bergbahnnutzer und auch der Bergläufer. Klar, nicht jeder mag das schön finden, doch es sieht ja nur ein prozentual kleiner Teil der Gipfelspitzen im Alpenraum die derartig aussehen.

Wettkampforientierte wissen es vermutlich schon: Auf den Wendelstein lockt auch ein organisiertes Bergrennen dessen Start ausgehend von Osterhofen über 8km und 1000Hm bis zum Gipfel führt. Die Wettkampftrecke zieht zunächst dem Talverlauf folgend Richtung Norden um den Bergfuß der Spitzingscheibe herum Richtung Geitau um dort auf den eigentlichen Wanderweg zu münden. Richtung Schweinsberg und Kirchwand orientierend schwingt der Weg das Tal nun verlassende Karrenweg bergan um die Grashänge wischen Kirchwand und Spitzingsscheibe zu queren. 900Hm sind schon gepurzelt und der Gipfelaufbau des Wendelstein wirkt zum greifen nahe, die verbleibenden 100Hm verteilen sich steil auf einem kurzen Wegstück im Zickzack des befestigten Wendelstein-Gipfelweges. Doch ich wähle für den Anstieg eine andere, etwas anspruchsvollere Wegvariante.

Es herrscht nasse Kühle an diesem Samstagmorgen, kein Fleckchen Blau ist am Himmel zu erkennen. Tief, etwa auf 200 Meter Höhe kriecht die Wolkenbasis durch die Voralpen unweit Rosenheims, kein Tag der Aussicht suchende Touristen auf den Gipfel lockt. Der Birkensteiner Wanderparklpatz- wie leergefegt! Aufgrund der idealen Berglauftemperaturen um 10°C im Tal ohne Sonnenschein purzeln die ersten Höhenmeter über den sich in großen Schleifen aufschwingenden Wanderweg hinauf zur Kesselam und weiter auf den Sattel zwischen Schweins- und Breitenstein recht zügig. Obwohl das Weglein etwas breiter ist, kommt dennoch Freude auf ihn zu laufen. Er ist landschaftlich durchaus reizvoll und durchsticht im Verlauf dichten sowie lückigen Bergwald sowie freie Wiesenhänge.

War das Weglein bisher eher glatt verlaufen, fällt er den Schweineberg nordöstlich umgehend zunehmend felsiger werden um etwa 100 Meter ab. Auf freiem Wiesengelände werden einige Almen passiert ehe der schottrig-felsige Fahrweg auf Höhe des Elbach Hauses zugunsten eines steilen und felsverblockten Wanderpfades verlassen wird. Dieser Trail ist definitiv schlecht zu laufen und hat sich aufgrund der vergangenen Regentage stellenweise in ein regelrechtes Bächlein verwandelt. Der Lauf verkommt zusehend zur nervigen Rutschpartie.

Besserung tritt erst einige hundert Meter höher im Bereich des mit Fels- und Holzstufen präparierten Schlussanstieges hinauf zum Wendelsteinhaus ein. Auf der nun erreichten Höhe von rund 1.650m  werden schließlich auch die ersten Schneeflecken sichtbar. Die Temperaturen der vergangenen Nacht waren deutlich unter  0°C gerutscht und hatten für reichlich Neuschnee gesorgt. Glücklicherweise stellt mich die hochpulsige und einheizende sportliche Aktivität nicht vor das Problem zu frösteln. Trotzdem streife ich die im Rucksack mitgeführte Paclitejacke und Mütze über, man ist gut verschwitzt und es pfeift ein unangenehmer Wind um den Fels.

Nachdem das Surren der Gondelbahn bereits das Finale angekündigt hatte wird die Plattform des Wendelsteinhauses erreicht. Von hier aus gelangt man über den genialen Gipfelpanorama weg hinauf auf den Gipfel des Wendelstein. Dieser Weg macht wirklich Spaß. Treppen, ein kleiner Höhlentunnel, und zahlreiche Serpentinen machen den mittels Geländer gesicherten Weg zu einem echten i-Tüpfelchen der Tour. Alleine deswegen sollte man zumindest einmal den Wendelstein besucht haben…

Ach ja, der Wendelstein soll ein gigantischer Aussichtsberg sein. Nicht umsonst hat man dem Gipfel derart zugesetzt. Mit dem heutigen Wolken- und Nebeltag kann ich das aber bildlich leider nicht belegen.

↑ 7,5km | 1100Hm  – ↓ 7,5km | 1100Hm

3 Kommentare zu „Berglauf Wendelstein

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