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Test: Zwischenbericht Dynafit MS Feline Goretex

Posted in Ausrüstung by koppdaniel on 24. April 2012

Dynafit MS Feline Goretex  Einige Wochen unterschiedlichster Läufe hat Dynafits MS Feline nun bei mir  absolviert. In den Bergen, auf einigen Trails… Und, welch Sakrileg, auf stinknormalen Forstwegen. Reicht das schon für ein Testergebnis? Für ein umfassendes sicher nicht, aber eine grobe Richtung lässt sich bereits ausmachen, ein erstes Resümee ziehen.

Fiel der Schuh während der ersten Einheiten noch durch ein steifes Feeling infolge der harten Sohle und GTX-Außenhaut auf, so hat sich dies zwischenzeitlich ein angeglichen. Alles fühlt sich nach Abschluss der Einlaufphase nachgiebiger an, erreicht aber nicht die Flexibilität eines Salomon Speedcross. Läufer die bisher klassische Straßenlaufschuhe mit komfortabler Dämpfung nutzten werden sich zunächst eher an einen Wanderschuh denn einen Laufschuh erinnert fühlen. Bietet Dynafits MS Feline doch eine im Wettbewerbsumfeld deutlich stabiler ausgelegte Vibram-Außensohle, welche aber vor allem Bergauf und in grobschottrigen Gelände von Vorteil ist. Diese Auslegung ist ganz bewusst gewählt und soll dem Anforderungsprofil des Schuhs entsprechen: Alpiner Berglauf und Trailrunning.

Der für einen Goretexschuh überraschend leicht am Fuß sitzende Schuh spielt ein gutes Feedback über den belaufenen Untergrund bzw. die Strecke an den Läufer zurück, eine Eigenschaft die so manch anderer Trailschuh schmerzlich vermissen lässt. Dieser Umstand verleiht dem Geländeläufer ein deutliches Plus an Dynamik, macht ihn reaktionsfähiger und agiler. Agieren und Reagieren, mit diesem Schuh fühlt man sich auf unwegsamen Tracks wohl und sicher. Dank des niedrigen Sohlenaufbaus fällt die Kippneigung erfreulich gering aus. Dynafit konzentriert sich bei seinem ersten Geländeschuhmodell auf das Wesentliche: Minimales Gewicht bei maximaler Leistung. Dämpfende Elemente sind in erster Linie auf den Fersenbereich begrenzt, während der Vorderfußbereich fast ungedämpft bleibt. Durchaus sinnvoll! Bergauf wird sehen-und gelenkschonend über den Vorderfuß gelaufen, während Stoßbelastungen bergab vor allem über Ferse in Gelenke und Rücken weitergeleitet werden. Persönlich (178cm, 69kg) empfinde ich diese Dämpfungsauslegung als nahezu perfekt abgestimmt, aber das empfindet jeder Läufer unterschiedlich.

Was die Offroad-Optik verspricht hält die grobstollige Profilsohle. Sie verbeißt sich im Untergrund wie es besser nicht sein könnte. Loser erdiger Untergrund, Lehm, Sand, feiner oder grober Kiesel, Gras, Wurzeln, Fels – kein Problem. Selbst nass nicht. Sogar auf Schnee finden die Zacken der Vibramsohle Halt und selbst mit Asphalt steht sie nicht auf Kriegsfuß. Dynafit hat die Sohle in drei Abschnitte mit unterschiedlichen Reibwerten aufgeteilt. Die Ausrichtung und Formgebung der Profilstollen wurde hinsichtlich Grip auf unterschiedlichsten Untergründen verteilt. In der Praxis funktioniert das ohne Fehl und Tadel.

Wie im“ first look“ bereits bemängelt lässt das sonst durchdachte Schuhkonzept ein Schnellschnürsystem vermissen. Zwar ist die gebundene Schleife einfach in der Zungentasche zu verstauen um Störungen durch Schnürsenkel während des Laufens zu vermeiden, doch an das unkomplizierte Verzurren eines Schnellschnürsystem wie es z.B. Salomon verbaut erreicht dieses klassische Schnürsystem nicht, vor allem nicht wenn unter dem Lauf einmal nachjustiert werden muss. Bei Wettkämpfen wird so möglicherweise wertvolle Zeit verloren. Trotzdem wird der Fuß dank Sensafitsystem ähnlich Salomon gut im Chassis fixiert. Um den Fersenbereich wäre ein wenig mehr Halt wünschenswert, was gegebenenfalls durch eine etwas voluminösere Innenfütterung darstellbar wäre, was aber jeder individuell anders beurteilen könnte. Obwohl der Schuh optisch relativ schmal erscheint ist auch für etwas breitere Füße ausreichend Platz vorhanden. Vergleichen mit einem Salomon Speedcross fällt der MS Feline etwas kleiner aus.

Dynafit verarbeitet bei der wasserdichten Goretexvariante ein sehr widerstandsfähiges Gewebe. Leider neigt die helle, schlecht zu reinigende Oberfläche zu Verschmutzung und ist bereits nach kurzem braun eingesudelt und fleckig. Sicherlich nichts was einen echten Trailrunner schrecken könnte. Schmutzig vielleicht, aber erfreulicherweise  99%ig wasserdicht. Wasserdichter als die Goretex-Modelle bei Salomon, die überraschten mich nach einem Tritt in Fützen mit unangenehmen Wassereinbruch im vorderen Bereich. Ekelhaft vor allem im Winter.

Um den Füßen gegen die Widrigkeiten alpiner Wege und grober Trails Schutz zu bieten beinhaltet der Schuh einige sinnvolle Ausstattungsfeatures: Eine stabile Zehenkappe, ein die Außenhaut schützendes und Stabilität gebendes Geröllschutzband umschließt den gesamten Schuh im unteren Teil, die Fersenkappe ist verstärkt, die Außensohle verhindert ein Durchstechen von spitzen Steinen; Blaue Zehen und Verletzungen haben so keine Chance, zusätzlich wird durch diese Maßnahmen die Lebensdauer des Schuhs selbst verlängert. Er wirkt insgesamt absolut robust.

Fazit: Sehr guter Trailrunning- und Berglaufschuh der auch auf dem Bike, Wanderungen und in Klettersteigen eine gute Figur abgeben dürfte. Ein Multitalent.

11 Antworten

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  1. Steve said, on 24. April 2012 at 20:19

    Danke für den ausführlichen Zwischenbericht.
    Heute kam meine Superlight-Variante, aber leider eine Nummer zu klein.
    Jetzt heißt es warten auf das größere Modell…ich kann es kaum erwarten.

    • Daniel Kopp said, on 25. April 2012 at 06:31

      Und, wie gefällt er dir? Die Sohle ist echt super!

      • Steve said, on 25. April 2012 at 09:31

        Geniales Teil. Hatte ihn mal kurz zum Test auf dem Hausflurtrail angezogen und war, obwohl zu klein, sehr begeistert.
        Die Sohle ist eine Mischung aus Fräße und Kettensäge. Ich freue mich schon auf den ersten Lauf.

        • Daniel Kopp said, on 25. April 2012 at 11:25

          🙂 Sehr schön mein Freund, besser kann man’s nicht sagen

  2. Holger said, on 26. April 2012 at 15:05

    Hi,
    was wüdest du sagen. Ist der Salomon Speedcross 3 oder dieser hier besser für nasse Steine geeignet?

    • Daniel Kopp said, on 26. April 2012 at 15:27

      wenn du nassen fels meinst, ist dieser hier besser geeignet. auf nassem fels und teer macht der speedcross keine gute figur.

  3. dahatte said, on 11. Juni 2012 at 16:42

    kann jemand den schuh mit dem mizuno wave harrier vergleichen. hab den mizuno und finde ihn von der sohle (grip, stabilität, duchschlag,..) her echt super, jedoch bietet er mir vorallem wenn er nass wird zuwenig halt am fuß. sprich ich muss zuschrnüren wie ein irrer und er schuh is immer noch gefühlt zu locker am fuß.

  4. Hauptsache Bergauf said, on 17. August 2012 at 17:57

    Späte Antwort

    Zum Dynafit.
    Ich war begeistert vom ersten Eindruck des Schuhes. Auch wenn er nicht besonders leicht ist. Das Obermaterial macht einen sehr soliden Eindruck – erinnert fast an einen Langlaufschuh. Und der Grip der Sohle auch auf nassem Fels ausgezeichnet. Wenngleich die Dämpfung im Fersenbereich – gerade im downhill oder der Ebene ein bißchen ein schwammiges Laufgefühl vermittelt.

    Aber nach <100km Einsatz in nicht nur hartem Gelände (mein BMI ca 20) zeigten sich erste gravierende Mängel. Ähnlich den Salomon Schuhen (insb. Speedcross) ist das Material der Sohle relativ weich und nicht sehr abriebfest. Die weißen "Pfeile" auf dem Profil lösen sich alle vom Grün.
    Aber das ärgerlichste: Die grüne Sohle löst sich im Bereich des Vorfußes komplett ab und man verliert an Stabilität. Das ist nicht nur schade sondern wird auch reklamiert. Irgendwo wurde in den 180 stattlichen Euro am Kleber gespart. Damit ist der Feline GTX leider ein Fehlstart.

    Zum Wave Harrier.
    Ich laufe ein paar Wave Harrier 2 nun schon 800km in allerlei Gelände. Die Sohle ist extrem beständig, wenngleich vielleicht mit etwas weniger Grip auf nassem Fels. Das Obermaterial hat schon einiges hinter sich und erste Spuren zeichnen sich ab. An Wasserfestigkeit ist natürlich nicht zu denken. Aber: wenns mal von oben naß reingeht steht man nicht in der Suppe weil wo's reinquatscht quatschts auch raus.
    Der Schuh ist leicht und vergleichsweise günstig. Der Wave Harrier ist ausserdem ein absoluter Neutralschuh und ich perönlich mag die etwas niedrigere Sprengung. Schnüren muß man ihn ordentlich. Aber das gilt für mich für jeden Laufschuh. Ich kenne kein wirklich gelungenes Schnellschnürsystem, daß Spiel für individuelle Anpassung bietet.

    Der Vergleich und die Sieger.
    Hierbei weise ich eindeutig darauf hin, daß das sehr subjektive Eindrücke sind und die Schuhe in einigen Eigenschaften nicht eins zu eins zu vergleichen sind. Je mehr ich drüber nachdenke kann man den Wave Harrier eigentlich gar nicht mit dem MS Feline GTX vergleichen aber trotzdem:

    Optik: Dynafit
    Gewicht: Mizuno
    Sohle: unentschieden
    Dämpfung: Geschmackssache
    Verarbeitung: Mizuno
    Wasserfest: Dynafit
    Preis: Mizuno
    Laufgefühl: Mizuno
    Schutz: Dynafit

    Alternativen:
    Sicher irgendwas von Salomon… ?! Leider gibts von Mizuno keine GTX (bislang). Bzgl. Sohle lohnt sich mal ein Blick auf die Innov8 Schuhe. Die Sohlen sind super – auch wenn die Schuhe ein bißchen "einfach" aussehen. Fallen eher schmal aus. La Sportiva X Lite hat eine super Sohle (und Optik) leider jedoch kein besonders tolles Obermaterial.

    Hauptsache bergauf

    • Daniel Kopp said, on 17. August 2012 at 18:51

      hallo, die problematik mit der sohle höre ich nun schon zum zweiten mal. vermutlich ist es bei mir noch nicht aufgetreten, da ich den schuh in gtx-variante aufgrund des sommerhalbjahres noch nicht so ausführlich spazieren geführt habe. bei der selbstbewussten preisgestaltung sollte das nicht passieren.

      was den grip auf feuchtem fels betrifft, da kann salomon auch nicht glänzen, wie ich finde.

      nächste saison gibts auch welche von haglöfs, sohle ist von asics, aufbau von haglöfs. gtx version wird auch erhältlich sein. mal sehen wie sie sich schlagen, sind ja novizen auf diesem sektor.

    • dahatte said, on 24. August 2012 at 16:18

      danke für die ausführliche antwort – du hast meine fragen top bantwortet aber mir gleichzeitig ein problem generiert.
      brauch nämlich jetz die harrier-sohlenpartie mit dem stabileren dynafitaufbau 🙂 haha

  5. […] Zwischen-Testbericht: https://koppdaniel.wordpress.com/2012/04/24/test-zwischenbereicht-dynafit-ms-feline-goretex/ […]


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