koppdaniel.wordpress.com

Nackte Beine? Ausnahmsweise fehl am Platz

Posted in # Wellenland [Laufen] by koppdaniel on 1. Februar 2013

P1130749

Nackte Beine? Ausnahmsweise fehl am Platz Mhhh, denk ich mir, eigentlich gar nicht schlecht. Obwohl mich der Sturm gerade auf dem Nachhauseweg  von der A8 weht, das Auto hin und herrüttelt, hat das ganze doch einen entscheidenden Vorteil. Is ja nicht nur ein banaler Sturm, is ja ein Föhnstum. Und was uns da so schick die Luft aus dem Süden über die Alpen schaufelt hat jedenfalls 14°C im Gepäck, sagt zumindest das Mäusekino im Auto. Ich sage: das fühlt sich gut an. Und in diesem Schwall vorzeitiger Frühlingsgefühle stecke ich meine beiden Beine durch die kurze Lauftight, so was will ja ausgenutzt sein.

So locker gekleidet fliege ich in erleichterter Heiterkeit mit einem Grinsen unter der Nase über Wiesen und Felder. Die Vögelchen zwitschern. Der schneefreie weiche Weg schmatzt und spritzt unter meinen Sohlen das es die pure Wonne ist. Ja, diese Leichtigkeit fühlt sich gut an. Mir kommt ein Läufer entgegen, in langen Hosen, und ich bin stolz den genialen Schachzug meiner heutigen Klamottenwahl gezogen zu haben. Weil Januartage in Kurz, die hat man selten.

Was ich allerdings nicht mit einberechnet habe, nun ja, sagen wir mal, die Beobachtung das diese bedrohend dunkle Wolkenwand am Horizont mit dem Wind in meine Richtung zieht, hätte man vielleicht versäumen können. Dazu kommt aber noch, dass ich mir morgens nicht den ganzen Wetterbericht im Autoradio angehört habe, der da verkündet “ Das vorausgesagte Wolkenband mit ergiebigen Regen ist bereits früher über Bayern hinweg gezogen als erwartet…“ schon verschwindet die CD im Schacht und beschalt mich mit feinster akustischer Kost. Ja, dass war eine sträfliche Vernachlässigung meiner Sorgfaltspflicht  All das führt jetzt zum Umstand das mich der ausgemachte Orkan nach drei Viertel der Strecke wie ein Vorschlaghammer trifft.

Inzwischen ist es dunkeln geworden und eigentlich liegen die anstrengenden Abschnitte des Tracks schon hinter mir, als mich die ersten „Brisen“ und Regentropfen begrüßen. Relativ rasch, nein sagen wir, exponentiell ansteigend frischt der Wind zum Sturm und der Sturm zum Orkan auf.  Regen kann man das auch nicht mehr nennen, eher Eskalation eines Natur-Peelings oder schlichtweg Hochdruckreiniger.

Kurze Zeit später, das Ganze hat sich noch gesteigert, es ist stockdunkel, ich renn mit eingeschalteter Stirnlampe und  in leicht gebückter Stellung um dem Sturm weniger Angriffsfläche zu bieten, da treffe ich auf einen anderen Läufer. Der macht im Moment des Treffpunkts Kehrtwende. Zusammen geht es jetzt ein sanft eingeschnittenes Tal entlang, Hier bläst sonst sogar Gegenwind wenn es eigentlich Windstill ist, entsprechend die Wirkung heute. Gedanklich habe ich diesen Abschnitt bisher immer als Windkanal betitelt, die heutigen Bedingungen spotten diesem Begriff.

Mein mich jetzt begleitender Schicksalsteiler ist aufgrund des lärmenden Wetters kaum zu verstehen, schreit aber  aber etwas das klingt wie  “ Gibt es doch noch so nen  Bekloppten wie mich…“ zu mir rüber. Ich schau an mir runter, folge der tropfenden Weste zur Tight und sehe meine nackten Beine ihre Arbeit verrichten und denke mir „ja“  gestikuliere, schrei dann was wie „Schon ein Scheisswetter heute, aber schlechtes Wetter gibts ja nicht, nur falsche Kleidung“ in seine Richtung und erhalte zur Antwort das der Wetterbericht doch genau das vorhergesagt hätte.

Das geht noch ein bisschen so weiter, dann, nach einigen hundert Metern trennen sich unsere Wege wieder. Er dreht ab, ich muss besagtes Tal aber noch einige Kilometer weiterrennen. Inzwischen klitschnass jagt mir  der Strum nun teilweise so stark entgegen das ich fast bis zum Stillstand heruntergebremst werde. Schon anstrengend sowas, aber auch irgendwie voll genial.

Na ja, irgendwann habe ich mich dann doch wieder in die Zivilisation zurückgekämpft. Nass dampfend erreiche ich das Haus. Die Schenkel braun verspritzt. Schuhe kaum zu erkennen. Im Moment läuft nur noch die Nase. Meine heiße Dusche empfinde ich dann als puren Luxus. Und ja natürlich, ich würde sagen es war einer der schönsten Läufe dieses jungen Jahres.

5 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. midlifecrisis65 said, on 1. Februar 2013 at 15:30

    Sehr witzig! So hatte jeder von Euch etwas von Kleidung und Wetter. Ich bin heute auch in kurz bei Regen gelaufen. Es war klasse!

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

  2. Deichlaeufer said, on 1. Februar 2013 at 18:01

    „Schon anstrengend sowas, aber auch irgendwie voll genial.“ Willkommen im Club der Sturmläufer 😀

    Die kurze Tight war doch perfekt für das Wetter. Da klebt wenigstens kein klitschnasser Stoff an den Beinen. Kälter ist es somit auch nicht auf der Haut 😎

  3. ultraistgut said, on 1. Februar 2013 at 18:02

    Haha, einer der schönsten Läufe des neuen Jahres – dann verstehst du auch sehr gut meinen gestrigen Lauf, der ähnlich deinem, nur in anderer Landschaft stattgefunden war – auch traf ich niemanden – so wie du – genial – voll genial !!

  4. Steve said, on 1. Februar 2013 at 19:27

    Bei gutem Wetter kann’s jeder!

  5. DocRunner said, on 2. Februar 2013 at 05:55

    Manchmal sind es die kleinen Irrtümer, die zu großen Taten führen :mrgreen:
    War doch ein tolles Lauferlebnis, so liest es sich auf jeden Fall, und die Bilder sehen auch noch gut aus. Was willst Du mehr?

    Salut
    C.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: