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Ein Bayernklassiker – Der Herzogstand-Heimgarten-Trailrun

Posted in # Bergland [Laufen], The nicest by koppdaniel on 18. Oktober 2013

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Herzogstand-Heimgarten-Trailrun Supergeniale Herbstnummer. Rauf zum Herzogstand über den Reitweg, weiter über den grandiosen Grat-Trail rüber zum Heimgarten und von dort runter zum Walchensee. Anschließend am, Seeufer entlang zurück nach Urfeld. Bavaria at its best.

Wie befreiend… Nach viel zu vielen Hochnebeltagen zeigt sich endlich wieder die Sonne. Und mit ihr kehrt er zurück, der Herbst. Der war zwar in der Theorie auch schon über die letzten Tage immer da, konnte aber mangels Sonnenlicht nicht so recht gegen die graue Stimmung anstinken und wikte mehr mau als golden. Heute hingegen stimmt alles. Die Luft klar und mild, der Himmel weiß-blau, die Trails wieder schneefrei. War vor einer Woche ab 1.500m noch Schluss mit Lustig, geben sich die alpinen Pfade heute wieder gnädig. In schlauer Voraussicht des kommenden Schönwetterwochenendes und der Tatsache am Samstag und Sonntag Kindersitter spielen zu dürfen, fällt der Berglauf eben auf einen Tag unter der Woche. Besser ist dass, denn auf die Idee den Herzogstand zu erklimmen werden am Wochenende viele kommen.

Also renn ich den Reitweg Richtung Herzogstand nach oben. Es ist ein Fahrweg, trailtechnisch nicht gerade der 7te Himmel, aber immer hin mit einigen Steilstufen aufwartend, davon im ersten Drittel eine etwas fiesere. Über dieses Fahrwegstück hier geht’s zuerst durch bunten Laubmischwald am Bergfuß. Dieser goldfarbene Herbstflash beflügelt mich so weit, dass Tempo schließlich liegt zu hoch liegt, wie mir meine brennenden Lungenflügel  unmissverständlich zu verstehen geben. Nachdem die ersten Spitzkehren im Mittelteil und Bereich der Skiabfahrt erreicht sind, wird auch schon ein hübscher Ausblick auf das Alpenvorland frei, blauen  Augen gleich reihen sich Staffel-, Kochel-, Ammer- und Starnberger See einer Perlschnur gleich aneinander. So schmückt sich unser Bayernland. Hernach geht’s nochmal für ein kurzes Stückl in den Wald um dann endgültig in die warme Sonne zu treten. Vor mir liegt jetzt die 180°- Umrundung des unter dem Herzogstandhaus und Martinskopf gelegenen Kessels. Dort lassen alte knorrige Laubbäume eine geniale Szenerie erstehen, die Teile sehen aus wie in Grimms Märchen. Dran vorbei noch ne langgezogene Kurve, eine Spitzkehre und schon steht der Schlussanstieg zum Herzogstandhaus an. Und ja, man sieht schon in Form kleiner Punkte die Seilbahnauffahrer Richtung Herzogstand pilgern.

Nur einen Moment später steck ich schon mitten drin in dieser Pilgerschaft, die aber im Vergleich zu Wochenenden relativ verträglich ausfällt. Ab jetzt ist Trail angesagt, denn der Weg unter meinem Hintern hat sich seit dem Herzogsstandhaus immer weiter verschmälert und schlängelt sich jetzt in einem Zickzackmuster durch den einen Latschenhang in Richtung Gipfel. Dieses Teilstück ist schon irgenwie feinste Laufkost. Die Steigung ist eher gemächlich, so dass man Tempo gibt und bei den ersten technischeren Stellen richtigen Appetit auf die kommende Gratverbindung zwischen Herzogstand und Heimgarten entwickelt. Macht Spaß das Gerät.

Oben am Gipfel wie immer allerschönstes Kannada-Feeling. Bunte Laubwälder unten, dazu blaue Seen, 360° Panorama. Jeder der hier raufkommt weiß warum und nicht umsonst ist der Herzogstand so beliebt wie er es ist. Und dann noch der Zeitpunkt. Ich liebe diese Zeit, wo das Tal mit grünen Wiesen und bunten Wäldern mit den schon eingeschneiten  Berggipfen um die Wette kontrastiert. Die Digicam rattert und mein Blick folgt schon der hellbraunen Linie, die sich über den Grat Richtung Heimgarten deutlich als Trail Deluxe abzeichnet. Es ist das Herzstück der Tour. 100% Panorama, 100% Trailrunning.

Trittsicher sollte man aber schon sein. Wirklich gefährlich ist der Weg aber nicht, immer breit genug um sicher aufzusetzen. Nie am Todesabgrund. Und da, wo‘s was mal wirklich unfallträchtiger zu scheint sind Drahtgeländer gespannt. Stellenweise technisch unterbricht dieser Trail den Lauffluss hin und wieder mit der ein oder anderen kurzen Kletterstelle oder verwinkelten Felsstufen, generell ist die Nummer hier oben aber nahezu 100%ig laufbar. Ausgenommen den letzten Anstieg zum Heimgarten, der schwingt recht steil auf und zwingt in den schnellen Gehschritt. Aber schwuppdiwupps findet man sich auf dem Rücken des zweiten Tourenhöhepunkts, dem Heimgarten wieder.

Auf diesem Gipfel ist weniger los als auf dem Herzogstand. Hintergrund dürfte sein, dass hier keine Seilbahn hilft und alles zu Fuß bewältigt werden muss, dabei sind die Anstiege unkomfortabler als die des Herzogstands und irgendwie macht all das den Gipfel zum sympathischeren der beiden. Trotz der größeren Abgeschiedenheit schmiegt sich kurz unter dem Gipfel eine kleine schön gelegene Hütte urig an den Berg, dass Heimgartenhaus ist beliebt bei einheimischen die hier Sommer wie Winter gerne heraufkommen. Selbst bei Schnee ist der Anstieg selten ungespurt. Unterdessen schweift mein Blick ins makellose Panorama vom Estergebirge über die Ammergauer und Lechtaler Alpen, das Wetterstein und Karwendelgebirge bis in die Stubaier.

Der folgende Abstieg über die steile Bergflanke des Heimgartens führt über felsverblockte erdige Pfade. Da ich wieder in die Waldgrenze eintauche ist es hier schattig und feucht. Teilweise haben sich festgetretene Schneereste in rutschige Eisplatten verwandelt, da ist Vorsicht angesagt.  Auf den sonnenabgewandten Seiten bleibt der Boden insgesamt frostig. Eiskristalle glitzern. Erst nachdem mich der Downhill einige Zeit Richtung Tal gezogen hat, erreiche ich auf einem sonnig warmen Grassattel die Ohlstädter Alm. Von hier aus folgt ein Gegenanstieg auf den Rotwandkopf. Mein hübscher Trail schlängelt sich dem Osthang folgend durch schütteren herbstlichen Wald und wartet immer wieder mit kräftezehrenden Aufgaben wie Stufen auf. Dabei darf man immer wieder den Blick auf das bereits absolvierte Werk erhaschen, denn  es zeigt sich der gesamte Gratverlauf vom Herzogstand bis zum Heimgarten. Besonders die zahlreichen kleineren Gegenanstiege sind von hier aus gut auszumachen.

Nachdem ich die gefühlt tausendste Serpentine umzirkle, frag ich mich langsam, warum der See einfach nicht näherkommen mag. Der langestreckte Downhill geht auf die Oberschenkel, die zahllosen Richtungswechsel und Reaktionen auf den abwechslungsreichen Untergrunden kosten mächtig Kraft, da gilt es bei Konzentration zu bleiben. Im zwischenzeitlich dichter gewordenen Wald bedeckt  jede Menge Laub den Boden und erleichtert die Sache nicht gerade. Stelleweise erhasche ich noch einen herbstlichen Blickt über den See von dessen Hintergrund schneebedeckte Berge aufragen. Unterhalb des Holzbeinkopfs bin ich dann vorerst mal ganz froh wieder auf einem zivileren Wanderweg zu landen. Bei langen Downhills, dass habe ich gelernt, muss ich auf meinen Ischias achten.

Anschließend fällt der Weg wieder steiler Richtung Deiningbach ab um diesen bis zur Herzogstandbahn bei Walchensee zu folgen. Von dort tingel ich in entspannter Weise dem Kiesweg hinterher, welcher neben der Seestraße immer entlang des Ufers verläuft. Rechts der See, links der Straßenverkehr. Ja, ich muss zugeben, dieses Stück zieht sich am Schluss nochmal und ist ehrlich gesagt eher undankbar und zum abhaken. Aber unausweichlich bis man wieder am Ausgangspunkt auf dem Kesselberg ankommt, denn es gibt keine Trailaternative dazu. Wer es umgehen will sollte die ganze Tour anders planen und unter der Seilbahn und nicht über den Reitweg auf den Herzogstand hochrennen, den Rest gleich machen, aber als Ausgangspunkt einfach wieder an der Herzogstandbahn zu landen. So verkürzt sich die Tour um 5km.

Wanderweg Urfeld, Oberbayern  Trailrun Herzogstand Heimgarten  GPSies - Window_2013-10-21_10-01-18

20km, 1300Hm

7 Antworten

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  1. Patte said, on 18. Oktober 2013 at 19:46

    Und noch a bisserl besser, wenn man nicht über den Reitweg, sondern unter der Seilbahn hochrennt…

    • Daniel Kopp said, on 21. Oktober 2013 at 07:31

      Aba über den Reitweg ist die Strecke länger und besser laufbar finde ich. Auf dem OPfad unter der Seilbahn kommen auch immer so viele Absteigende entgegen, da finde ich den Reitweg angenehmer. Nachteil: der Rückweg entlang am See.

  2. christianraimann said, on 18. Oktober 2013 at 23:54

    Geil!

  3. Steve said, on 19. Oktober 2013 at 06:20

    Der Klassiker bei genialem Wetter…super Sache!

  4. ultraistgut said, on 19. Oktober 2013 at 11:45

    What a wonderful world………………. tralalala !
    Schön !

  5. Markus said, on 19. Oktober 2013 at 17:40

    Hammer!

  6. david said, on 27. Mai 2016 at 09:03

    traumhaft! wie lange hast du gebraucht?


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