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Interessenkonflikte im deutschen Wald

Posted in Sichtweise by koppdaniel on 18. März 2014

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Interessenkonflikt im deutschen Wald Wenn unterschiedliche Interessgruppen aufeinanderprallen gibt‘s Zündstoff. Der eine schüttelt den Kopf über den anderen und behält sich das Recht vor im Recht zu sein. Auch wenn Laufen eine eher unauffällige und kaum Schaden anrichtende Sportart ist, so zeigt sich doch nicht jeder glücklich über die Ausübung dieser Sportart. Vor allem dann, wenn sich im Frühling, Herbst oder Winter Nutzungszeiten von Sportlern mit den von Jägern überschneiden. Die behaupten ab Sonnenuntergang ja gerne ab jetzt bleibe ihnen und dem Wild der Wald vorbehalten. Verständlich, dass der nach stundenlangem Ansitz vermieste Schuss durch einen die Schusslinie kreuzenden Jogger keine Begeisterung auslöst. Das Wild sieht’s wohl anders. Ich hatte noch keinen Ärger mit Jägern, es gab zwar mal dumme Sprüche die ich aber entsprechend quittiere, so dass von vornherein klar ist, dass von meiner Seite kein Diskussionsbedarf besteht.

Hin und wieder  aber werden Geschichten teilweise kuriose Geschichten bekannt. Z.B. wo derartige Konflikte sogar vor Gericht ausgetragen werden müssen. Ein Waidmann etwa wollte eine Läuferin aus seinem Revier klagen und warf ihr vor seine Futterstellen mit Pinkelaustritten geruchsmäßig zu sabotieren. Die Dame, welche ihre Läufe mittels GPS aufzeichnete konnte bis ins Kleinste belegen über welche Waldfläche ihre Strecken verlaufen und das die gemarkung ihrer Asutritte nur reiner Zufall sein können. Letztlich verlor der Jäger.

Da kann man drüber lachen. Weniger witzig wird’s wenn Drück- oder Treibjagden nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit abgesperrt werden und man plötzlich mitten im Geschehen steht. Vor einiger Zeit kam mir völlig aufgelöst eine Läuferin mit und entgegen und warnte mich davor, dass ich just im Begriff war direkt in eine Drückjagd zu rennen. Man könnte jetzt anmerken, dass Jäger schon so scharfsinnig sein dürften Wild von Sportler oder Spaziergänger unterscheiden können, was zu 99% auch der Fall sein wird. Nicht besonders vertrauensbildend ist allerdings der Umstand, dass es immer wieder zu Jagdunfällen innerhalb der Jagdgesellschaft kommt. Und trotzdem: Die Jagd hat Tradition und ist notwendig. Sie ist seit jeher mit dem Wald und seiner Nutzung als Kulturlandschaft verankert. Sie hält den Wildbestand gesund, schützt unsere Nutztiere vor Seuchen und das offene Agrarland vor Befraß.

Über Art und Weise der Ausübung kann man gespaltener Meinung sein. Wenn ich zum Beispiel Anfütterplätze in Sichtweite zu einem Jägerstand sehe scheinen die regeln da nicht immer nach Fair Play zu laufen. Andereseits hat der Jagdpächter vermutlich auch genug damit zu tun die vorgeschriebenen Quoten überhaupt zu erfüllen. Tut er’s nicht, drohen Strafen.

Weitaus negativer fällt dem Naturliebhaber da schon die wirtschaftliche Nutzung des Waldes auf. In meinem Fall, dem Naturpark Augsburg Westliche Wälder, den Voralpen oder dem Wittelsbacher Land, stelle ich doch immer wieder überrascht fest, wie gut sich manche Forststraße doch zur 4m breiten, aal-glatten Waldautobahn ausbauen lässt. Alles nur um effizient größtmögliche Holzmengen aus dem Wald führen zu können. Und das nicht mehrr mit dem guten alten Traktor. Nein, heute macht‘s der veritable 40-Tonner. Die Urbarmachung für große Maschinen weitet sich aber auch auf den Bestand selbst aus. So durchpflügen dick bereifte Harvestern in regelmäßigen, teilweise schnurgeraden Linien den Bestand und ernten die Fichten in Akord ab.  Das erinnert im Ergebnis weniger an einen gesunden Wald als vielmehr an einen totgewirtschafteten Maisacker.

Da die Erntemaßnahmen vor allem im zeitigen Frühling oder späten Herbst stattfinden, vermutlich immer dann wann die Bäume weniger Saft führen, entstehen die klassischen tiefen Reifengräben in den aufgeweichten Waldböden. Mitunter graben sich die Stollen mehere Dezimeter tief in den Grund und legen die flach liegenden Baumwurzeln frei. Auf den so verdichteten Böden hat die Unterholzvegetation keine Chance mehr und die Vielfalt leidet weiter.

In Relation zu dem ein oder anderen ach so bösen MTB-Trail geradezu lächerlich. Vor allem vor dem Hintergrund, das viele Singletrails in meiner gegend eben erst auf derartigen Rückegassen entstehen. Es gibt allerdings auch eine Kehrseite der Medaille. Sportler die Absperrungen bei  Baumfällungen ignorieren und den Aktionsradios von Harvestern passieren, deren Lenker kaum in Lage sind die Umgebung über 360° im Blick zu behalten. Einige Mitbürger sind auch besonders geschickt sich in Misslagen zu manövrieren und scheinen die Gefahren nicht abschätzen zu können. Einmal den Stamm geschwenkt, dann ist abgeräumt. Auf der anderen Seite wird auch einiges geduldet, obwohl die Haftung bei möglichen Unfällen ein Problem werden könnte. Gerade in den stadtnahen Wälder bauen Downhiller teils deftige Rampen udn Bahnen aus Holz in die Hänge.

Im Kampf gegen Mountainbiker oder Reiter auf schmalen Pfaden fühlt sich mancher Waldbesitzer oder militanter Mitbürger gar dazu genötigt Schnüre bzw.  Draht zu spannen, Nagelbretter auszulegen oder Wurzeln mit Nägeln zu präparieren. Mancher Trail wird dann in schweißtreibender Arbeit mit Ästen und Stämmen aufgerüstet um so dass lästige Pack auf den oben beschriebenen Waldautobahnen zu halten. Eigentlich eine interessante Entwicklung. Einerseits wird unserer Jugend vorgeworfen kein Interesse mehr an der Natur zu haben und Milch aus lila Kühen zu genießen. Andererseits wird vieles unternommen um Menschen den Spaß in der Natur zu nehmen. Prozentual gesehen machen die Eingriffe durch Mountainbiker einen richtig lächerlich geringen Anteil an Waldbeschädigung aus. Wären da nicht Pilzsammler kritischer zu sehen, die vollkommen weglos im Wald zugange sind und in Ruhezonen des Wilds vordringen? Na ja, Pilzsammler taugt wohl als Feindbild nichts 🙂

10 Antworten

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  1. Markus said, on 18. März 2014 at 07:50

    Interessanter Artikel. Und wie wahr. Tatsächlich gibt es in der Natur so viel Konfliktpotenzial, z.B. auch Hundebesitzer die ihre Hunde in Vogelschutzgebieten freie Jagd nach Vögeln machen lassen und die dann doch lieber nackige Läuferwaden jagen.
    Die tiefen Schlammspuren im Wlad die durch den enormen Abtransport des Holzes verursacht werden stören mich auch immer wieder zutiefst, lassen sich aber wohl in de rheutigen Zeit leider nicht mehr verhindern. Gerade weil das Abholzen des Waldes nur vom 1.10. bis 28.2. erlaubt ist wird eben in dieser nassen Jahreszeit kräftig abgeholzt.

    Was ich aber bei Leibe nicht verstehen kann ist die Tatsache nicht die Wege unter 2m Durchgangsbreite für Radfahrer freizugeben. Da gibt es bei uns in BaWü gerade ein großes Thema darum den z.B. Hessen hat es vorgemacht, dass dieses sehr wohl gut funktioniert.

    • Daniel Kopp said, on 18. März 2014 at 08:56

      Bei uns holzen die im noch krass ab. Gerade diesen Winter ist mir aufgefallen, dass besonders viel rausgeholt wurde. Lag vermutlich am milden Winter.

  2. Markus said, on 18. März 2014 at 09:55

    Toller Artikel.

    Bei uns in den Wäldern stelle ich auch oft fest das nur noch mit dem Harvester Holz aus dem Wald geholt wird. Deshalb sind einige meiner haustrails jetzt verschwunden und sehen noch schlimmer aus als dein Bild.

    Sehr schade das ganze. Lustig ist ja das genau 500 m weiter das Forstamt eine Schulungshütte hat im Wald überall Infotafel stehen 😉

  3. Martin said, on 18. März 2014 at 11:11

    Nicht nur im deutschen Wald, auch hier in Österreich gibt es immer wieder diese Problematik. Hier sind quasi bei jeder möglichen Einfahrt in den Wald Verbotsschilder aufgestellt. Ich hatte zum Glück noch keine negative Erfahrung gemacht, bin aber über die Vorgehensweise nicht erfreut. Meistens wäre ein Dialog zwischen beiden Parteien zielführender, als immer gleich eine Anzeige einzureichen.

    • dahatte said, on 18. März 2014 at 13:22

      jaja wer kennt sie nicht, die kopfschüttelnden wanderer, die mtb-faschos, gewalttätige liftschlangenrambos, drahtseilspanner, wegverblocker, die deutschen alpinisten die sich als bergvolk meinen und über flachländler schimpfen….
      dialog bringt rein garnichts. in den meisten teilen der erde und vor allem nicht in europa. jeder von ihnen ist im recht. das ist ne katastrophe und meiner meinung nach ein echtes minus in lebensqualität.
      das thema lässt sich 1:1 aufweiten auf religionen, ethnische gruppen, sprachunterschiede,… und auf den strassen natürlich, wo jedem im gedanken an das/den andere(n) der hals zuschwillt. das ist vor allem in europa eine echte katsastrophe. es gibt doch orte z.b. im norden amerikas wos nicht so ist. und zwar überhaupt nicht. liegts nur am mehr an platz? oder ist es in unseren köpfen?

      • Daniel Kopp said, on 18. März 2014 at 19:39

        ja, da hast leider nicht unrecht. mancher ist so von der richtigkeit seines tun so überzeugt, dass ein dialog erst gar nicht erwähneswert ist.

  4. Deichlaeufer said, on 18. März 2014 at 20:22

    Ein interessanter Betrag. Hier im Norden gibt es die „MTB-Problematik“ in dieser Form nicht. Zuwenig Wald, zuwenig Höhenmeter.

    Aber Toleranz ist etwas, was jeder gerne für seine Interessen in Anspruch nimmt oder nehmen möchte und selber nicht zu geben bereit ist. So ist der Mensch, daran wird sich bis zu seinem seelig Ende nichts ändern.

    LG Volker

    • Daniel Kopp said, on 20. März 2014 at 07:18

      Das mit den Bikes hängt mehr von den Wegbreiten ab, weniger von den Höhenmetern und Wäldern. Vllt. sind dann insgesamt weniger Biker am Start, aber wenn die Wege schmal sind gibts vermutlich auch bei euch Problemchen.

      LG
      Daniel

  5. Sebastian said, on 14. August 2015 at 14:06

    Hallo Daniel,
    ein wirklich super Beitrag ist das. Normalerweise kommentiere ich nur selten öffentlich etwas, da bei Themen wie Jagd, FoWi,(…) heutzutage schnell mit Shitstorms und pers. Anfeindungen zu rechnen ist. Bei solch einem tollen, neutralen Artikel mach ich das jetzt aber doch einmal, auch um für mehr Verständnis gegenüber der Forstpartie zu werben.
    Ich selbst bin Jäger und komme aus der Forstwirtschaft und da es immer wichtig ist sein eigenes Tun und Handeln zu reflektieren und Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, möchte ich hier einmal eine andere Sichtweise „in den Raum werfen“:
    Die Wälder in Deutschland haben viele verschiedene Funktionen. Da wären neben der Schutzfunktion (Hochwasserschutz,Lawinenschutz,…) die Erholungsfunktion (Freizeitgestaltung) sowie die Nutzfunktion (Holz als Rohstoff). Diese Waldfunktionen unter einen Hut zu bekommen ist nicht immer leicht und führt leider häufig zu Konflikten.
    Diese Konflikte wurde in der Vergangenheit von der Forstwirtschaft durch Verbote, hoheitliches Auftreten („Waldpolizei“) und mangelnde Kommunikation versucht zu umgehen. Wohin das geführt hat sieht man nun: Die Forstwirtschaft verliert in der Bevölkerung immer mehr an Aktzeptanz, das haben mittlerweile selbst die Konservativen in der Forstpartie erkannt.

    Deshalb mein persönlicher Appell: Kommunikation ist das A&O.
    Ihr wollt z.B. einen Trail anlegen? Geht zu der zuständigen Behörde und fragt mal ganz unverbindlich an. Denen ist i.d.R. auch lieber wenn ein Trail nicht „illegal“ entsteht und die sich rechtlich absichern können.
    Ihr findet es wurden zu viele Bäume gefällt oder die Bodenschäden sind zu hoch? Schreibt an das Forstamt und bittet um Stellungnahme. In der Regel ist alles was die tun (fachlich) begründet. Außerdem ist es nicht schlecht wenn die wissen, dass im Wald Leute unterwegs sind, die ihre Augen offen halten und sich (kritische) Gedanken machen.

    Abschließend noch eine Bitte an alle die über forstl. Themen diskutieren möchten. Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sehr oft an fachlichem Wissen mangelt und rein emotional diskutiert wird. Ihr seid der Meinung, dass Fehler bei z.B. der Waldbewirtschaftung gemacht werden? Dann sucht euch fachliche Argumente um die Begründungen der Gegenpartie „auszustechen“ und haltet Lösungsvorschläge parat. So werden Diskussionen für niemanden peinlich und man findet vllt. Konsens.

    LG Sebastian

  6. koppdaniel said, on 19. August 2015 at 11:53

    Hallo Sebastian,

    danke für deinen Kommentar. Schön auch von der anderen Seite zu hören. Auch weil das gegen
    Ich bin zwar keine r der Trails anlegt, aber ich freu mich dennoch wenn ich mal einen schmnaleren Pfad nutzen kann. Ich hab auch nichts gegen Forst- und Landwirtschaft, weil sie es aufgrund ihtrer Wirtschaftswege erst ermöglicht einen umfangreichen Zugang zur Natur zu haben. Die pflegen und Hegen unsere Kulturlandschaft. Das dabei wirtschaftliche Erwägungen nicht unwichtig sind ist unumgänglich.

    Beste Grüße, Daniel


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