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Testergebnis: Haglöfs Gram XC

Posted in Ausrüstung by koppdaniel on 10. Dezember 2014

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Haglöfs Gram XC  Wie das so oft ist, Geschwister können ganz unterschiedlich sein. Hatte mich der technisch fast gleiche Bruder des GRAM AM GT noch entzückt, sorgte der GRAM XC für gemischte Gefühle. Gemischt weil er technisch eigentlich ein ausgegorener Typ wäre, hinsichtlich Haltbarkeit aber seinen eigenen Anspruch verfehlte.

Haglöfs unternahm 2013 eine umfangreiche Produktoffensive und baute das Intense-Sortiment umfangereich aus. Unter dem Intense-Label laufen bei den Schweden alle Produkte deren Funktionalität an schnelle, schweißtreibende und hochpulsige Sportarten angepasst ist. Den wachsenden Tailrunning-Markt bediente Haglöfs seit der Einfirmung in den Asicskonzern damit relativ spät. Man baute den Range mit den Trailschuh-Modellen GRAM COMP (leichtes und kompromissloses Wettkampfmodell), GRAM AM GT (solider Goretex Trailschuh) und GRAM XC (atmungsaktiver Mesh-Trailschuh) aber gleich zu Beginn mit guter Spreizung aus. Später schob man noch den gemäßigteren GRAM GRAVEL (Door-To-Trail-Schuh) und das mit Metallspikes ausgestattete Wintermodell GRAM SPIKE GT nach. In der Saison 2015 werden die meisten Modell ein gründliche Überarbeitung erfahren und als Nacholgemodelle mit Frühjahrskollektion eingeführt.

Im Falle des Gram XC handelt es sich um einen eher konservativen Vertreter der Trailschuhe, der sich vor allem in gemäßigtem Terrain wohlfühlt. Er sträubt sich zwar nicht gegen anspruchsvolles  Gelände, gibt sich auf hochtechnischen Pfaden aber weniger dynamisch als sein leichtere Mitspieler, der Gram Comp. Schon der Blick auf die von Asics entwickelte AHAR+ Außensohle verrät, dass sich dieser Schuh abseits des Asphalts zuhause ist. Auch auf Forst- und Feldwegen verrichtet er seine Aufgabe durchwegs gut, um nicht zu sagen sehr gut, denn stets vermittelt ein perfektes Feedback über den Untergrund, was nicht zuletzt an seiner bodennahen Auslegung liegt die ein sicheres Gefühl zulässt. Die Sprengung beträgt dabei  7,5mm.

Für das Sohlenprofil kommt ein Kreuzmuster zum Einsatz, es soll in alle Richtungen wirken und so unabhängig vom Stand des Fußes immer für Grip sorgen. Es verrichtet seine Arbeit vorbildlich und hat auch mit lockergründigen Auflagen kein Problem. Die Performance fällt jedoch bei feuchtem Wetter abhängig vom Untergrund ab. Probleme bereiten vor allem nassfeuchte, harte Oberflächen wie wir sie im Bereich alpiner Trails häufig vorfinden. Genannt seien in erster Linie feuchte Felsen, nasse Wurzeln aber auch stark verfestigte/komprimierte Bodengründe die eine glitschige Moosschicht angesetzt haben. Im alpinen Umfeld habe ich einen seitlichen Schutz im vorderen teil des Schuhes vermisst. Dort sind die kleinen Zehen den Widrigkeiten des Trails leider schutzlos ausgeliefert. Die Ausformung der Zehenkappe ist noch ausreichend  und auch der hintere Bereich des Schuhes bietet eine ausreichende Protektion.

Vorbildlich: der Schuh bietet dem darin befindlichen Fuß perfekten Halt. Vor allem Läufer mit breiten Vorderfüßen werden sich im Gram XC wohlfühlen. Der Schnürdruck lässt gut dosiert über den Fuß verteilen. Dabei gleiten die Senkel willig durch die teils aus Textilgewebe, teils aus Metall ausgestatteten Ösen. Die überflüssige Schnürsenkellänge bzw. die Schleife kann in einer Zungentasche verstaut werden und stört so nicht. Verbesserungswürdig ist der Halt im Fersenbereich, hier würde eine etwas großzügigere Polsterung vermutlich schon Abhilfe schaffen.

Als lästiges Übel zeigte sich vom ersten Lauf an die Einlegesohle. Sie hatte stets das Bestreben im Schuh nach vorne zu rutschen was auf langen Läufen nicht nur nervig war sondern auch zu der ein oder anderen Blase führte. Erst mit der Zeit, vermutlich nachdem sich das Material der Schaumsohle gesetzt hatte und der Schuh auch sonst „in Form“ war blieb die Sohle wo sie hingehörte. Hin und wieder hört man auch von Nutzern deren Schuhzunge das Verlangen hat seitlich zu Verrutschen. Dieses Problem war bei  mir nicht erkennbar, möglicherweise geben hier aber anatomische Eigenheiten ihren Anteil.

Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen und setzte  den Schuh trotz der eingangs erwähnten Einschränkungen auch auf alpinen Trails ein. Das funktioniert durchaus gut, schließlich muss man nicht immer die Wunderwaffe am Fuß tragen. Auch hier agierte der Schuh zufriedenstellend, bei flotten Downhills war ein sicheres Aufsetzen stets gegeben. Die Zehenkappe, die verstärkten Außenbereiche sowie der Fersenbereich schützen den Fuß auch wenn Rock’n Roll durch Schotter angesagt war.

Eigentlich mochte ich den Schuh und ich hätte ihn auch noch viel länger gemocht, wäre da nicht der Umstand, dass das Mesh-Gewebe im Knickbereich der Vorderfußes zu brechen begann. Und das leider nach viel zu kurzer Zeit von etwa 6 Monaten. Ich gehe nicht soweit und behaupte, dass dies bei jedem Paar der Fall ist, schließlich gibt sich der andere Schuh noch absolut unbeeindruckt. Aber was hilft’s: End of Lifetime. Schade, denn der Rest vom Schützenfest hätte locker nochmal 6 Monate drauflegen können.

Gram XC Out of Box

Gram XC Out of Door

Gram XC Out of Order (Nutzungszeitraum 7 Monate, häufig getragen)

 

2 Antworten

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  1. ultraistgut said, on 10. Dezember 2014 at 17:14

    6 Monate ein Schuh, das ist ein guter Grund, diesen Schuh nicht mehr zu kaufen
    Vielleicht aber liegt es auch an dir, an deinen Füßen ?
    Wer weiß !
    Meine Schuhe halten ewig
    egal – welche Marke
    egal- wie viele Kilometer
    Löcher, wie in deinen hatte ich früher einmal in den Asics-Schuhen
    aber das Übel ist wohl abgeschafft
    obwohl ich keine mehr habe
    kann das allerdings nicht bestätigen
    Vielleicht solltest du doch mal die Marke wechseln ❓

  2. Daniel Kopp said, on 10. Dezember 2014 at 18:26

    Das Problem kenn ich von den Herstellern die ich vorher hatte genauso.
    Brooks, Asics, Salomon, Saucony, dass war immer das gleiche. Die kochen alle nur mit Wasser.

    Vermutlich hat Schmutz an der sache seinen Anteil, weil er ins Gewebe wandert und es dann aufscheuert.


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