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Take a break – Gejammere in mehreren Akten…

Posted in Gesundheit by koppdaniel on 20. Januar 2015

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Take a break Seit wir Kinder haben haben wir auch Viren. Glücklicherweise wehrt mein Immunsystem die meisten ihrer Angriffe nato-mäßig-musterhaft ab. Hin und wieder aber kommt halt doch ein kleiner Trupp durch – mit zerstörerischer Wirkung. So bügelte also mich ein widerlicher Infekt – es wir wohl einer von der grippalen Sorte gewesen sein –  innerhalb weniger Stunden vollkommen nieder und das noch im Büro sitzend. Und ja, durchaus, wir Männer nehmen derartige Attacken heroisch hin, messen ihnen aber den notwendigen Ernst zu und ohne übertreiben zu wollen, es traf mich wie ein Dampfhammer. „Schüttelfröstelnd“ mit schmerzendem Körper kam mir der eigentlich nur wenige hundert Meter messende Weg vom Büro rüber ins Parkhaus noch nie so arktisch und lange vor wie an jenem Tag. Weder die Sitzheizung noch die auf volle Kanne auf Scheibendefrost eingestellte Heizung konnten meinen ausgemergelten Männerkörper wieder auf überlebensfähige Temperatur bringen.

39,6°C ließen die Erkenntnis reifen den heutigen Lauf lieber ausfallen zu lassen. Ein klarer Vorteil wenn die Krankheit mit der Unverhohlenheit eines Totschlägers über einen hereinbricht ist, dass man sich so den inneren Konflikt ob’s Läufchen heute noch geht oder nicht selbst erspart. Schließlich zählt der Wille des Blanken Überlebens in diesem Moment so viel mehr. Nun, könnte ich heute an dieser Stelle nicht über virale Infekte mein leid ausbreiten, gäbe es doch an anderer Stelle noch genug Grund zum klagen. Etwa die Hundeangriff beim letzten Lauf der für mich mit einem Biss unterhalb des Knies endete und in dessen Folge ich das Fieber schon in einer beginnenden Tollwut-Attacke zu erklären versuchte. Mit derlei Gedanken ergab ich mich dem Leiden und mutete, zuhause angekommen, meinem geplagten Körper für diesen Abend nicht eine unnütze Bewegung zu viel als nötig zu. Selbst sprechen war purer Schmerz aber unausweichlich, denn die geeigneten Behandlungsmaßnahmen mussten beim Partner initiiert werden.

Das war vor einer Woche. Und wie das so ist klaffen die läuferische Erwartungshaltung über die Dauer des Krankheitsverlaufs und der die tatsächliche Dauer des Krankheitsverlaufs weit auseinander. Gefördert wird diese durch Ibuprofen. Dieses tückische und verführerische Miststück, Meisterin der Illusion, gaukelt dem Niedergeschlagenen auf hinterlistige Weise vor, dass der Verlauf doch näher bei der Erwartungshaltung liegen könnte als zunächst vermutet. Getreu dem Motto: „Joa, geht doch eigentlich schon wieder ganz gut“ sorgt nur die Treppe ins erste Obergeschoss für dafür die Realität wieder zu realisieren. Ja klar, und am Ende des Tages ist es natürlich auch die nachlassende Wirkung des Medikaments , die mich auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

In den dümmsten Augenblicken zückt man die dümmsten Bauernregeln. Warum? Weil immer was dran ist? Eine Erkältung/Grippe kommt drei Tage,bleibt drei Tage und geht drei Tage.  Der Plan geht bekanntermaßen nicht immer auf. Oft kommt das Monster drei Tage und bleibt 3 Wochen und der anschließende Husten geht gefühlt gar nicht mehr. Ich für meinen Teil hatte zeitlich aber schon was gut gemacht. Stichwort eingangs erwähnter Dampfhammer. Der kam nicht 3 Tage lang sondern innerhalb von 3 Stunden. Das verkürzt die Grippe meiner unantastbaren Männerlogik nach auf 6 Tage. Zumindest wenn’s glatt läuft…

Aber im Ernst. Als ich zu Laufen begann war jede ungeplante Auszeit die pure Katastrophe. Das zarte Pflänzchen meiner Psyche sah sich auf eine harte Probe gestellt. Machtlosigkeit. Blanke Angst die Form könne innerhalb einer Woche flöten gehen plagten mich aufs quälendste. Da fällte man in seiner bescheidenen Naivität so manch ungesunde Entscheidung und rannte einfach trotzdem. Man lief ohne jeden Spaß mit ekelhaften Erkältungssymptomen – ein sinnloses Unterfangen. Das gleiche galt bei Verletzungen. Immer durch, ohne Gnade getreu dem Motto dass läuft man weg.

Alter bringt Weisheit. Heute zieh ich frühzeitig die Bremse und erzwinge nichts mehr. Im Nachhinein stellten sich solche Aktionen meist als Kontraproduktiv heraus und verlängerte das ganze Leiden nur noch. Für jemanden wie mich, der sich nicht unbedingt an den Zehnteln seines Pace oder Rundenzeiten aufgeilt ist so ein Break ziemlich Latte.

13 Antworten

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  1. jamieobier said, on 20. Januar 2015 at 14:59

    Wunderbar geschrieben – ich kanns derzeit sogar so gut nachvollziehen, seit heute Nacht ist bei mir auch wieder was im Anmarsch. Da sollte man wirklich mal den Ball flachhalten.. Nur wenn die Krankheit nie so richtig ausbricht ist das wiederum Mist, denn dann weiß ich selbst nicht mehr wie ich mich verhalten soll – vor allem werde ich nach spätestens zwei Tagen nervös und übel-gelaunt, laufen ist halt doch irgendwie eine Droge. Dann lieber doch mal richtig leiden und spüren wie es wieder besser wird und dann wieder mit gutem Gewissen laufen gehen 😀

    • koppdaniel said, on 20. Januar 2015 at 15:23

      Ja, die Variante hatte ich vor kurzem auch. Wenn es so vor sich hin schwelt ohne auszubrechen. Man merkt zwar schon an der nachlassenden Power das der Körper zu tun hat, aber zum Aufhören reichte noch nicht. Da Lauf ich auch einfach weiter 🙂

  2. midLAUFcrisis said, on 20. Januar 2015 at 15:37

    Autsch, das liest sich gar nicht gut. ich wünsche Dir viel Geduld und noch mehr Besserung. Aber wir Du richtig schreibst: die Erfahrung ist wichtig, um zu erkennen, wann es mit dem Sport trotz Krankheit wirklich kontraproduktiv wird.

    Aber wir wissen zu Glück auch, dass so eine Zwangspause nicht ewig währt.

    Alles Gute also noch einmal!

    Liebe Grüße
    Rainer

  3. ultraistgut said, on 20. Januar 2015 at 18:05

    Hi,Daniel, das hast du sehr schön geschrieben, und ich denke, viele finden sich in deinem Text wieder, jeder von uns hat sicherlich schon Ähnliches erleben müssen, aber wir wissen, irgendwann geht es uns wieder gut, dann noch der fiese Hundebiss – bleibt mir dir gute Besserung zu wünschen, gut zu wissen, dass auch du das Alter erreicht hast, in dem man aus Vergangenem lernt und rechtzeitig die Bremse zieht.

    Kuriere dich gut aus !

    • koppdaniel said, on 21. Januar 2015 at 09:36

      Das leben ist ein Auf und Ab. Die Erkenntnis, dass wieder bessere Zeiten kommen bleibt.

      LG

  4. LocalZero said, on 20. Januar 2015 at 19:13

    Keine Frage, die unschlagbare Kombination aus altersbedingter Laufpausenweisheit und angewandter männlicher Restheiterkeit wird auch diesen extrem unangenehmen Virus schnellstmöglich in die Flucht schlagen! 😉

    Gute Besserung &
    Viele Grüße
    Lars

  5. Steve said, on 20. Januar 2015 at 22:11

    Wahre Worte!
    Gute Besserung Daniel!

  6. Deichlaeufer said, on 21. Januar 2015 at 07:28

    So viel Text bei Dir? Da muß was im Argen liegen! 🙂

    Den Humor hat der Angriff aber nicht unterkriegen können. Gepaart mit typsich männlicher Tapferkeit wirst Du so mit Sicherheit überleben 😉

    Alter bringt Weisheit, ich glaube das auch bei mir zu entdecken und ertrage erzwungene Laufpausen inzwischen stoischer als noch vor kurzer Zeit.

    Ein Hundebiss ist allerdings nur ätzend. Ich frage mich, wie lange das bei mir immer noch gut geht 🙄

    Halt Dich aufrecht!

    Volker

    • koppdaniel said, on 21. Januar 2015 at 09:38

      Hin und wieder gibbet auch bei mir mehr Text. Wenn du in meinem Blog zurückblätterst bleibt das meistens neuen Läufen und Bereichten vorbehalten.

      Bisher das zweite mal das mich ein Hund gebissen hat.

      VG
      D

  7. Chris said, on 23. Januar 2015 at 20:35

    Wie wahr! Guter Text!


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