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Berglauf über die „Drei Hörnle“

Posted in # Bergland [Laufen], The nicest by koppdaniel on 27. März 2015

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Berglauf über die „Drei Hörnle“ Ein wettertechnisch sehr eindrücklicher Lauf der mich schon ziemlich an den nahenden April erinnert. Von Schneefall bis in Tal, Sturmböen, dicken Wolken und prallem Sonnenschein war heute alles dabei. Da ich den Pürschling jetzt fast den ganzen Winter hoch- und runtergerannt bin wird’s langsam Zeit die Bergläufe wieder auszuweiten, dass mache ich eigentlich erst wenn’s überwiegend schneefrei ist. Die Winterkapriolen heute habe ich einfach mal ignoriert. Schnee und Eis? Gibts nicht. Na ja, zumindest erstmal nicht. Bis es dann am Hörnle-Sommerweg richtig steil wird und mir der durchnässte Altschnee garniert mit glitschigen Neuschnee zeigt wo der Hammer hängt.

Rutschig und steil ist eine schwierige Kombination. Da muss man aufpassen nicht alle Körner aufzubrauchen. Glücklicherweise wechseln sich eingeschneite offene Wegstücke mit schneefreien Abschnitten ab, so das ich den Puls und Atmung immer wieder ein bisschen runter holen und mich „erholen“ kann. Sofern man beim Berglaufen überhaupt davon sprechen kann. Dieses Spiel funktioniert zumindest unten rum. Dann, irgendwann bleibt es einfach weiß und es saugt mir übelst die Kraft aus den Schenkeln.  Erst auf Höhe der Baumgrenze wird der Schnee endlich hart und bietet besseren Halt und Haftung was auch wieder rhythmisches Laufen zulässt.

Die ersten steilen Teilstücke liegen mit Erreichen der Berghütte hinter mir. Nun gehts für ein Stück sanft ansteigend über den breiten Bergrücken Richtung Hinteres Hörnle. Diffuses Licht lässt optisch kaum Rückschluss über den Verlauf der Strecke zu. Anfangs geht’s noch ganz gut, später, in den baumfreien Bereichen wird’s wiederum sehr  fordernd durch eingewehten Neuschnee und einen durchbrechenden Harschdeckel. Das heißt immer wieder knietief einbrechen und fluchen. Ich hasse das. Gottseidank bleiben diese Einlagen kurz.

Erneut wird es steil: Es geht an den Schlussanstieg auf das Hintere Hörnle. Beißende Schneekristalle polieren mir den Teint hummerrot. Es stürmt widerlich und bitter kalt. Hang und Himmel wird eins. White out – alles weiß. Unter meinen Sohlen knirscht eine blanke Eisdecke die einem Panzer gleich die exponierten Hänge überzieht. In den Laufklamotten hält man es so natürlich nicht lange am Gipfelkreuz aus und ich flüchte schnell wieder auf windberuhigte Höhenzonen.

Inzwischen reißt der Himmel immer wieder auf, zeigt gewaltige Wolkenspiele und lässt Schatten und Sonnenflecken über den Schnee fliegen. Tolle Stimmung. Warmes Licht. Das Mittlere Hörnle wird noch im Dunst erklommen, das Vordere Hörnle bietet dann eine wolkenfreien sonnigen Auslick ins Tal. Unterammergaus Dächer leuchten im Sonnenlicht während dunkle Wolken am Sonnenberggrat zerren und helle Wolkenfetzen über ihm tanzen. Wow. Ein privilegierter Logenplatz den ich heute in absoluter Einsamkeit genießen darf. Ich  hab das Schätzen gelernt.

Ja, diese Jahreszeit ist berglauftechnisch nicht einfach. Irgendwas zwischen Winter und Frühling. Die mittleren Höhenlagen sind für Skifahrer nicht mehr und für Wanderer noch nicht interessant. Eine Zeit für echte Bergler. Bergbahnen und Berghütten sind oft geschlossen. Eine Zeit der Ruhe. Ein Zustand der Schwebe. Nicht kräfteschonend aber Kräfte gebend. Nicht für Bestzeiten gemacht aber für beste Zeiten.

2 Antworten

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  1. Steve said, on 28. März 2015 at 09:48

    Wow, geniale Bilder! Ein perfekter Tag!

  2. Deichlaeufer said, on 28. März 2015 at 21:31

    Danke für die lebendige Darstellung, die bringt einem Deinen Lauf sehr nah.


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