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Trailrun über den Königssteig

Posted in # Bergland [Laufen] by koppdaniel on 10. März 2017

Trailrun über den Königssteig. Das erste längere Trail-Abenteuer in den Bergen. Eine Tour auf der Suche nach dem Frühling, der natürlich noch nicht zu finden war. König Winter hat die Höhenlagen noch fest im Griff.

Es ist eine meiner gaaaanz alten Strecken. Eine Strecke die meine Lust auf Trailrunning im Prinzip geboren hat. 2009 nahm ich diese Pfade das erste mal unter die Sohlen. Seitdem laufe ich diesen Kurs immer wieder mal, aber so menschenleer wie heute findet man ihn vermutlich nur zu diesen spätwinterlichen Bedingungen. Es herrscht weder Wandersaison noch Skisaison. Es ist die undefinierte Zeit dazwischen, ein Moment der noch bis zu den Hüttenöffnungen anhält und mit dem keiner etwas anzufangen weiß. Zumindest fast keiner.

Um die Nummer auch mit adäquaten Höhenmetern zu versorgen bin ich erstmal die altbekannte Strecke zum August-Schuster-Haus auf dem Pürschling hinaufgerannt. Die vergangenen kalten Tage haben nassen Neuschnee hinterlassen, der sulzig, schwer und schmierig daliegt. Da das Pürschlinghaus diesen Winter komplett geschlossen ist, zeigt sich der Weg schlecht ausgetreten, was den ersten großen Anstieg schwierig und anstrengend werden lässt.

Der durchgeweichte Schnee lässt meine Füße im oberen, dem der Sonne ausgesetzten Abschnitt immer wieder tief durchsacken. Da ist Fluchen angesagt. Man muss sich durchkämpfen, hilft nix. Die Mühen werden dafür mit schönen Wolkenspielen und herrlicher Ruhe entschädigt. Meine Überwurf-Schneeketten haben sich heute als prima Hilfsmittel herausgestellt. Um diese Jahreszeit sind spikebewährte Winterlaufschuhe auf den mal schnee- und eisbedeckten, mal aperen Wegen wenig sinnvoll. Mit den Schneeketten kann man sein Laufwerkzeug stets auf die neue Situation anpassen. Ungebraucht verschwindet sie einfach im Laufrucksack. Allemal besser als mit Spikes über blanken Fels zu kratzen oder andersherum mit Gummisohlen über Eis zu rutschen.

Nach der Eroberung des Pürschling kommt der interessante Teil. Es geht auf den Königssteig der sich noch immer tief winterlich präsentiert. Auch hier macht der Schnee das Vorankommen auf dem leicht gewellten Weg zunächst mühsam. Beim passieren rutschiger Lawinenstriche ist Vorsicht geboten, will man nicht über den steilen Hang Richtung Tal „abschmieren“. Aber gerade der erste Teil des Pfades bietet immer wieder entzückende Ausblicke auf die dem Pürschling vorgelagerten Berge, etwa dem sehr gering frequentierten Rosengarten. Später verschwindet man wenig aussichtsreich in dichtem Wald. Hier liegt dafür kaum Schnee was den Puls langsam wieder sinken lässt. Der Königssteig ist bei guten Bedingungen generell flowig zu laufen. Gerade Abschnitte wechseln sich ständig mit scharfen Kurven ab. Ein Spaß.

Am Kolbensattel wird freies Gelände erreicht. Die Skisaison ist vorbei. Hütte, Lift, Hang – alles ausgestorben. Die Sonne taucht die Szenerie in ein freundliches Licht und die Aussicht reicht vom Hörnlegebiet über den Aufacker zum Laber und meinem „Extrempunkt“ der Tour, dem prägnanten Felszahn und Wahrzeichen Oberammergaus, dem Kofel. Von jetzt an wird die Strecke aufregender. Aus dem Wanderpfad wird ein Trail der mit kleineren Steilrampen aufwartet und immer wieder Hindernisse in Form von kleinen Felsstufen und Wurzelpassagen bereitstellt. Immer wieder muss ich verschüttete Lawinenstriche traversieren bei welchen Vorsicht geboten ist, was auf Dauer nervig wird.

Dieses Spiel setzt sich vom Höhenniveau insgesamt abfallend aber immer wieder mit kleinen Anstiegen gewürzt bis zum Erreichen des Kofelsteigs fort. Dieser zeigt sich noch etwas rauher als der Königssteig. Mehr Fels, mehr Absätze, mehr Schotter. So geht das weiter bis ich um die auf dem Sonnenberggrat sitzende Basis des Kofels herum bin und der Zickzackserpentinenabstieg ins Tal ansteht. Der Untergrund bleibt anspruchsvoll. Viel durchnässtes glitschiges Laub gemischt mit grobschotterigen Untergrund und durchsetzt mit Felsen. Ein Konglomerat, das immer die volle Aufmerksamkeit und Konzentration fordert. Nicht für mich selbst sondern auch weil losgetretene Steine hier fatale Folgen für andere Berggeher haben könnten.

Dieser Pfad reißt mich also mit atemberaubender Geschwindigkeit ins Tal. Zurück ans Licht. Die Sonne scheint. Für das Wochenende macht sich ein Hochdruckgebiet breit, dass bereits seine freundlichen Vorboten schickt. Der Kofelsteig wird anschließend zugunsten einer Wiese verlassen über die es Richtung Grottenweg geht. Bei ihm handelt es sich um einen etwas breiter angelegten Wanderpfad der talnah entlang der Basis des Sonnenberggrates Richtung Unterammergau durch den Wald verläuft. Er verlangt mir mit einem giftigen Anstieg nochmal Kraft ab und entlässt mich am Ende der Talabfahrt des Kolbensattelskigebiets wieder in die Sonne. Dann ein letzter Anstieg über die asphaltierte Straße die, würde man der Verlängerung folgen, bis zum Kolbensattel ansteigen würde. Dieses Mistvieh sieht so flach aus, aber fühlt sich so steil an. Direkt erlösend wirkt da der Abzweig in den Trail der mich bis zum Radweg zurück nach Unterammergau leitet. Von da an wird’s weniger anstrengend. Nach Unterammergau entlang der B23. Kein schönes Teilstück, das sich theoretisch durch einen Abstecher ins Moos umgehen ließe, wozu ich jetzt aber keinen Bock mehr habe. Den Schluss gibt der langgezogene Anstieg zurück zum Pürschling-Wanderparkplatz. Aus die Maus.

berglauf_kc3b6nigssteig_21km_1200hm

4 Antworten

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  1. Steve said, on 10. März 2017 at 22:18

    Oh yeah, coole Runde!
    Es ist ein geniales Gefühl wenn es endlich wieder weiter rauf geht und man konstant ein paar Höhenmeter sammeln kann!
    Auf geht’s Frühling!

  2. DocRunner said, on 11. März 2017 at 19:39

    Kann das Adrenalin fast riechen, hört sich nach einer genialen Runde an.

    Salut


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