Chaostage

Chaostage. In Südbayern haben wir die letzten Tage und Wochen ungewöhnlich starke Schneefälle gehabt. Selbst bei uns, sozusagen im Vor-Alpenvorland, liegt der Schnee teilweise knietief. An Bergläufe war nach über einem Meter Neuschnee in den Ammergauer Alpen nicht mehr zu denken. Nicht nur wegen der Unmöglichkeit noch Laufen zu können, auch wegen der Lawinengefahr. Diese wurde zwischenzeitlich bis zu zweithöchsten Warnstufe angehoben, doch im Moment scheint sich die Lage wieder zu entspannen. Doch selbst meine normalen Läufe waren teilweise extremst fordernd. Während ich es anfänglich durchaus noch lustig fand durch den Neuschnee zu stampfen stellte sich für zwei Tage Tauwetter ein was den Schnee schwer und sulzig werden ließ. Ab da wurde anstrengend. Kurz darauf kamen große Neuschneemengen hinzu. Was im Wald zwar noch super ok war, war auf den Feldwegen in der offenen Landschaft die reinste Strapaze. Teilweise knietief bremste der feuchte schwere Schnee jeden Schwung. Nun ist noch viel Pulverschnee hinzugekommen. Außerhalb des Waldes ist das Laufen fast unmöglich. Zum einen kann man die Wege kaum oder gar nicht mehr erkennen. Zum anderen befindet sich unter der tiefen Schneeschicht auch noch eine Altschneeschicht mit Harschdeckel durch die man zusätzlich bricht. Ausweichen in den Wald ist aufgrund der Holzbruchgefahr auch nicht ohne. Und selbst dort haben sich im Windschatten der Bäume, also auf Waldwegen und Lichtungen beachtliche Schneemengen abgelegt.

Es beginnt mit leichten Schneefällen. Aber der Wind ist beißend kalt. Da der Boden unter der rutschigen Schneeschicht noch weich und matschig ist, werden auch diese sanft winterlichen Läufe eine erste Kraftprobe.

Noch immer stürmt es unerbittlich, so dass ich mich über jeden Windschatten freue. Der Wind treibt die scharfen Eiskristalle direkt in die Augen. Und trotzdem der Winter sieht halt verdammt hübsch aus und das Laufen macht Spaß.

Die Temperaturen sind gestiegen. In den Westlichen Wäldern sind selbst 50 Höhenmeter unterschied deutlich spürbar. In den Tälern herrscht matschiger und nasser Schnee vor, doch bis auf die Kuppen hat sich das Tauwetter noch nicht vorgearbeitet. Dieser Lauf mag auf den Bildern ganz nett aussehen aber er war ekelhaft. Erstens wurde ich klatschnass und zweitens war der Schnee durch die Feuchtigkeit sehr schwer. Eine kraftraubende Nummer, vor allem wenn man bedenkt, das von der 22km langen Strecke sicherlich 80% komplett ungespurt und im tiefen Schnee abzuspulen waren. Am Ende des Laufes begrüße ich einen Hungerast und schmerzende Sehen in den Fußsohlen.

Tauwetter. Es regnet und die Temperaturen bewegen sich für ein kurzes Zeitfenster im Plusbereich. Der Lauf? Ein Eiertanz. Die reinste Rutschpartie. Anstrengend? Natürlich. Meisten liegt der klatschnasse Schnee ja ungespurt auf den Wegen.

Wieder Neuschnee. Eigentlich ein Wintertraum. Feinster Pulverschnee. Zum Laufen ist dessen schmierige und fluffige Konsistenz natürlich der Albtraum schlecht hin, denn Halt findet man darin keinen. Und Abstoßen vom harten Untergrund ist damit auch nicht. Somit verbraucht man für jeden Schritt deutlich mehr Kraft. So ein Lauf ist die pure Ineffizienz.

Der Lauf ist so anstrengend das Speichel und Rotz laufen wo hin sie wollen. Ich habe es im Tiefschnee aufgegeben darüber die Kontrolle zu behalten. Bin damit Beschäftigt durch das weiße Nichts zu navigieren und meinen Körper mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen, schließlich läuft er auf Hochtouren. Die Feldwege außerhalb des Waldes sind fast alle so gut wie verschwunden. Nur weiß. Ein paar Tierspuren. Ein paar Grashalme die durch die Schneedecke reichen. Das sind teilweise die einzigen Fixpunkte. Dass man dem Weg einigermaßen folgt kann man nur vermuten weil es noch gerade so geht überhaupt zu laufen. Vetritt man sich mal in den Acker verschwindet meist das ganze Bein im Schnee. Kurz habe ich mich dann gefreut als ein paar hundert Meter von einer Traktorspur freigeräumt waren, doch das war eigentlich noch schlimmer. Die Abdrücke der Profilstollen zerbrechen unter Schuhsohle was mich beim Laufen hin und her wirft. Auf der geräumten Mittelbahn ist die restliche Schneeschicht zwar noch  10cm mächtig, aber von einer dermaßen bescheuerten Konsistenz, das man darauf überhaupt nicht laufen kann. Also freue ich mich wieder über den Tiefschnee. Später wendet sich die Runde endlich dem Wald zu, durch den ein geräumtes Zwischenstück verläuft. Darauf zu laufen fühlt sich nach dem Tiefschnee witzig an. Als ob man darüber hinwegfliegt ohne auch nur ein bisschen Kraft zu verbrauchen. Doch dieses Hochgefühl hält auch nicht zu langen an. Die Waldabschnitte sind klein und wechseln sich immer wieder mit der offenen Flur ab. Wieder Tiefschnee bis zum nächsten Wald. Und dort leider auch viel Tiefschnee. Die Wege zwischen den Tannenwipfeln sind total eingeschneit. Und zerstampft von Spaziergängern und Reitern. Hilfreich ist das nicht. Es ist sogar noch fordernder als der unberührte Schnee den man zumindest durchpflügen kann ohne auf Löcher achten. Na ja, in diesem  Mix geht’s weiter bis die lediglich 15km absolviert sind. Ich kann mich nicht erinnern für eine solche Distanz jemals so viel Kraft aufgewandt zu haben. Zuhause macht es dafür Spaß die verlorenen Kalorien wieder aufzufüllen.

 

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