Im Leistungstief

Das Wetter? Richtig geil! 30°C in Garmisch! Ich hatte Bock! Ich war motiviert! Ich war heiß. Ein längerer Berglauf durch das Estergebirge stand auf dem Zettel. Kann eigentlich nur super werden. Doch dann war ich im Leistungloch… Die stechende Sonne, der südseitige Anstieg und ein, wie mir heute klar ist, aufkommender Infekt haben mir echt den Stecker gezogen. Nix ging mehr.

Meine Strecke sah vor zuerst auf den Wank zu rennen, dann weiter über die Weilheimer Hütte rüber zum Fricken und zurück. Etwa 26km mit über 1.800 Höhenmetern. Nachdem ich also so schwach und schon im Anstieg auf den Wank deutlich langsam als gewöhnlich vorankam und sowieso und überhaupt voll abkotzen war, wollte ich – oben angekommen, abkürzen und nur die 15km lange Wankrunde drehen. Also machte ich mich an den Downhill. Und selbst der war alles andere als spaßig. Meine Haxen waren komplett kraftlos und schwer, also richtig leer. Glücklicherweise konnte ich mich wieder etwas aufrappeln, so dass ich doch noch Blut leckte und mich entschied die gesamte Runde anzugehen.

Also gings weiter auf den schmalen Trail hinauf zum Fricken. Eine Änderung im Streckenablauf, den so wurde aus der Runde die eine Reibn sein sollte eine Acht. Oder ein Unendlich, wie es sich zwischenzeitlich auch noch anfühlen sollte. Aber immerhin, ist man vom Wank erstmal weg: keine Menschenseele! Absolute Einsamkeit.

Dort wo Lawinen abgegangen waren galt es umgestürzte Bäume und Schuttreissen zu überwinden. Anstrengend. Zeitraubend. Nervig. Den Flow unterbrechend. Der Winter hat eben seinen Tribut gefordert. Oben auf dem Sattel zwischen Fricken und Bischof entzückte mich dann blühenden Krokuswiesen und eine Aussicht die alles wett machen. Dieses blumige Frohlocken ging schon alsbald in wildes Fluchen über. Denn der Weiterweg Richtung Weilheimer Hütte war garniert mit ausgedehnten rutschigen Altschneefeldern die Vorsicht in Anspruch nahmen und mich viel Zeit kosteten. Ausrutschen wäre dort teilweise fatal gewesen.

Es gab aber auch schöne flowige Trailabschnitte. So wie man es sich wünscht. Eine feine dünne Linie schmiegt sich entlang eines alpinen Bergrückens während sich drumherum ein alpines Panorama aufbaut. Mitunter gut zu laufen und schneefrei. Irgendwann erreiche ich so die Weilheimer Hütte. Sie liegt ruhig und abgelegen weit weg von Seilbahnen und direkten kurzen Anstiegen. Nur der Hüttenwirt ist vor Ort und räumt den Schnee beiseite. Mein folgender Downhill Richtung Esterbergalm ist ein Mix aus durchgehenden Schneeflächen und sehr ruppigen Trails. Nach dem Winter sind diese noch gespickt mit Steinbrocken und Schutt. Glücklicherweise kenne ich den Weg, denn der ist mitunter aufgrund des Altschneesüberhaupt nicht mehr zu erkennen.

Jetzt zurück zum Ausgangspunkt. Vorher müssen allerdings noch der steinige Abstieg über den Karrenweg runter zur Esterbergalm, der Weiterweg über die Hochebene und der unangenehm steile Abstieg über deren Fahrweg hinunter zum Parkplatz an der Wankbahn.

††

2 Kommentare zu „Im Leistungstief

  1. 30°, kann man geil finden, muß man aber nicht, schon gar nicht mit aufkeimenden Infekt und auf diesem Geläuf. Hut ab, dass Du den Kurs doch noch vollendet hast. So abgründig kann das Leistungstief also nicht sein.

    Was hast Du mit Deiner Hand angestellt?

    VGV

    1. Ich war halt insgesamt zu langsam, was zum einen am Schnee lag, zum anderen aber eben auch an der fehlenden Power. Aber egal. Isso.

      An der Hand hab ich mich geschnitten.

      VGD

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